Tibetischer Buddhismus?
Ich befasse mich mit buddhistischer Praxis seit 1982, davon als Meditationslehrer innerhalb tibetischer Schulen seit 1995, seit 2008 außerhalb jeglicher Schule, Tradition und Institution.
Das indische buddhistische Tantra wurde geschaffen von den Mahasiddhas (ungefähr im Zeitraum 500 - 1000, parallel dazu entwickelte sich das Hindu-Tantra).
Der sogenannte tibetische Buddhismus (eine Bezeichnung, die nicht einmal Tibeter gebrauchen) hat sich ab 800 in Tibet aus dem indischen buddhistischen Tantra entwickelt, ab ca. 1000 allerdings mit grundsätzlichen Abweichungen von den ursprünglichen Lehren. Diese sind in Indien (wie auch der nicht-tantrische Buddhismus) schon lange praktisch ausgestorben, d. h. sie wurden nirgends mehr in der ursprünglichen Form geübt. Der nicht-tantrische Buddhismus erlebte in Indien in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine gewisse Belebung, der indische tantrische Buddhismus ist in Indien und im Westen nur wenigen Gelehrten bekannt. Viel mehr bekannt ist die tibetische Form des tantrischen Buddhismus, so sehr, dass schon mehr Deutsche Vertrauen zum Dalai Lama haben, als zum deutschen Papst Benedikt. Nur hat diese Form nur sehr wenig mit der Urform zu tun. Zum Beispiel gibt es in der Urform keine Mönche - Mönche können nun mal kein Tantra praktizieren, die falsche alltagssprachliche Assoziation Tantra mit Sex ist soweit durchaus richtig.
Diese tibetische Form wird seit 1970 auch in Indien und Nepal praktiziert, weil Exil-Tibeter dort viele Klöster neu gegründet haben.
Im folgenden kurz die wesentlichen Unterschiede zwischen dem tantrischen Buddhismus der Mahasiddha-Zeit, dem tibetischen System und meinem eigenen Zugang.

Padmasambhava und Yeshe Tsogyal
Funktion des Meisters
Mahasiddha:
Ohne Meister kein Tantra, denn Tantra ist eine vom Mund des Meisters zum Ohr der Schülerin übertragene Geheimlehre. Daher kann der Meister nur wenige Schülerinnen haben, da diese Übertragung strikt INDIVIDUELL erfolgt, d. h. für jede Schülerin anders. (Das gewisse Grammatikproblem erledige ich durch bevorzugten Gebrauch der weiblichen Form). Die Maximalzahl ist gegeben durch die Anzahl der Schülerinnen, die sich der Meister ohne jegliche Hilfsmittel namentlich und bezüglich der geübten Praktiken merken kann. Einweihungen werden nur an sehr kleine Personenkreise gleichzeitig gegeben, die dazu gehörigen Praxisinstruktionen sind vollständig und ausführlich, die Schülerin kann nachher mit dem Meister JEDERZEIT über die Details der eigenen Praxis sprechen.
Tibetisches System:
Einweihungen werden an eine große Zahl von Menschen gegeben, 100 Personen auf einmal sind normal, die tibetischen Lamas geben aber jedes Wochenende solche Einweihungen, oft auf mehreren Kontinenten reisend, wodurch ein Lama manchmal mehrere tausend "Schülerinnen" hat, manche Einweihungen erfolgen sogar an mehrere tausend Personen gleichzeitig. Praxisinstruktionen werden entweder überhaupt nicht gegeben, oder in extrem stark verkürzter Form, wobei das Wesentliche meistens fehlt, die Praxis wird dann meistens auf ein paar Visualisationen und Mantras reduziert. Eine Verbindung Meister (fast immer ein Mann, dazu später) zu Schülerin ist nicht gegeben, die überwiegende Mehrheit der westlichen Übenden des tibetischen Systems hat trotz mehrjähriger Übung noch nie länger als eine Stunde mit einem Lama gesprochen, individuelle Instruktionen sind schon allein deswegen nicht denkbar, weil auf einen Lehrer viel zu viele Studentinnen kommen. Es gibt sogar Schulen, die sich damit werben, wieviel Anhänger sie haben, wie als wäre das ein Qualitätsmerkmal!
Es werden keine individuellen Wege gelehrt, sondern Systeme, alle Schülerinnen werden zu den gleichen Übungen angehalten, ohne Berücksichtigung der individuellen Begabungen. Die Schülerin dient dazu, das System zu erhalten, statt dass die Praxis der Schülerin dient, Resultate zu erlangen.
Mein Stil:
Abgesehen davon, dass ich mich nie als Meister bezeichne und mich von den seltsamen Despoten-Allüren tibetischer Meister völlig fernhalte (Titel, Anrede, Thron, Brokatgewänder, Niederwerfungen der Schülerinnen etc.) gebe ich Einweihungen und Unterricht im Siddha-Stil, soweit es mir möglich ist.
Zur Frage, ob zum Geben von Einweihungen eine "Autorisation" erforderlich ist,
steht hier ein ausführlicher Text.

Guru Dragpo
Umgang mit Sexualität und Frauen
Mahasiddha:
Der tantrische Weg zur Erleuchtung verwendet alle menschlichen Emotionen als Mittel das Pfades, daher auch den Wunsch nach LIEBENDER erotischer Vereinigung. Das Verhältnis zur Erotik ist entspannt, in den buddhistischen Versammlungen (Sangha) gelten weder Kastenschranken noch die Geringschätzung der Frauen, die im orthodoxen Hinduismus häufig ist. Frauen zu diskriminieren ist nach den Regeln der tantrischen Gelübde ausdrücklich verboten.
Da zur vollständigen Praxis sexuelle Vereinigung dazu gehört, sind im Sangha gleich viele Männer und Frauen vertreten, es gibt weder Mönche noch Nonnen.
Es gibt zwar auch buddhistische Klöster, aber die gehören zu nicht-tantrischen Zweigen des Buddhismus, in diesen Klöstern leben niemals Kinder oder Jugendliche. Es gibt keinerlei Verbote irgendwelcher einvernehmlich geübter Formen von Erotik, noch Vorschriften bezüglich der Partner, etwa die Idee der lebenslangen sexuellen Monogamie. Das vierfache System der höheren tantrischen Einweihungen enthält als dritte Einweihung ("Weisheits-Bewusstheits-Einweihung") die Ermächtigung zur Vereinigungspraxis (Karmamudra), diese wird schon am Anfang des Pfades gegeben und vollständig erläutert.
Tibetisches System:
Dieses wird dominiert von männlichen Mönchen, die strikt zölibatär leben müssen, in den weitaus meisten Fällen schon als Kinder in die Klöster gezwungen und an jeder normalen Entfaltung von Sexualität gehindert. Bei traditionell lebenden Tibetern trifft dieses Los üblicherweise den jüngsten Sohn, wenn mehrere Söhne vorhanden sind. Die Mönche sind naturgemäß feindlich gegenüber Frauen und Sexualität eingestellt. Nonnen sind von marginaler Bedeutung,
bis heute den Männern vollständig unterstellt. Es werden falsche Lügenmärchen erzählt, etwa dass "hohe Bodhisattvas" ihre Sexualität "opfern" oder eben kraft ihrer Einsicht in die Leerheit "nicht mehr brauchen" bzw. dass eben gewisse "hohe Verwirklichungen" nur als Mönch erzielbar sind. Nicht einmal im nicht-tantrischen Urbuddhismus des Buddha Shakyamuni wird so etwas behauptet (das dortige Ziel, das Stadium des Arahat, gilt für Mönche und Laien gleicherweise als erreichbar). Im tantrischen Buddhismus ist es grundsätzlich so, dass die Resultate der dritten Einweihung prinzipiell von Mönchen NICHT verwirklicht werden können, da Mönche die zugehörige Praxis, eben die Karmamudra-Praxis, nicht ausführen dürfen. Das sagt sogar Atisha, einer der Verantwortlichen für die seltsame Idee, dass Mönche Tantra praktizieren können.
Daher kennt das tibetische System auch Nicht-Mönchische Übende (Ngakpas genannt), viel weniger bekannt im Westen, weil sie öffentlich häufig ohne ihre Frauen auftreten, im leitenden Personal natürlich ebenfalls fast ausschließlich Männer. Diese sollten theoretisch mit Frauen und Sex so umgehen können wie die Mahasiddhas, praktisch ist das aber nicht der Fall. Ich habe in 30 Jahren von Begegnungen mit tibetischen Lamas im Westen, wobei ich fast nur mit Ngakpas zu tun hatte, nicht einen Einzigen erlebt, der imstande gewesen wäre, seine Frau öffentlich als ebenbürtige Partnerin zu behandeln. Die Praxis der Vereinigung wird auf ein paar Visualisationen während der Vereinigung reduziert, Liebe ist ein Fremdwort und gilt als "Anhaftung".
Mein Stil:
Ich liebe meine Gefährtin und Mitarbeiterin, die Yogini Kamala, ich weiß aus eigener Erfahrung, was eine tantrische Vereinigung sein kann.
Ich gebe bei Einweihungen auch die dritte Einweihung und erkläre danach, wie diese Praxis funktioniert, alles ohne Nacktheit oder erotische Berührungen (siehe dazu den
Tantra-Eingang). Eine einzelne Frau oder ein einzelner Mann kann sich nach so einer Einweihung einen Partner / eine Partnerin für die Vereinigungspraxis suchen. Ein Muss gibt es natürlich in keiner Weise, ich kenne viele glückliche Beziehungen, wo nur einer der Partner Interesse an der tantrischen Meditation hat (diese Konstellation ist im tibetischen System nicht vorgesehen). Ein Paar, welches sich von mir die Einweihung holt, kann theoretisch bald mit der Vereinigungspraxis beginnen, praktisch benötigt es aber wegen der Schwierigkeiten dieser Praxis doch einiges Vortraining in der Erzeugungs- und Vollendungsphase.

Guru Dragpo mit Yum
Umgang mit Geld
Mahasiddha:
Diese waren in den meisten Fällen berufstätig, was auch gut ist für die Erdung und Integration der Resultate der Praxis in die alltägliche Welt.
Die meisten hatten immer soviel Geld, wie sie brauchten, hatten aber für ein Streben nach noch mehr Geld und nach weltlicher Macht nur Verachtung übrig - wie man sich buddhistische Meister eben vorstellt. Es gab Könige unter den Mahasiddhas und andere durchaus Reiche, aber die verdienten ihr Geld nicht durch sogenannte Dharma-Spenden. Es ist richtig, dass viele Mahasiddhas von ihren Schülerinnen vor der Einweihung relativ hohe Beträge verlangten, sie waren aber danach oft für den Lebensunterhalt ihrer Schüler verantwortlich, außerdem hatten sie immer nur wenige Schüler, wodurch ein völlig anderes Betreuungsverhältnis gegeben war als bei den heutigen tibetischen Masseneinweihungen. Kein Mahasiddha hat ein Kloster gegründet oder irgendetwas unternommen, um Geld jenseits des eigenen unmittelbaren Verbrauchs in Bewegung zu setzen, es galt das Ideal der kleinen Autarkie der Praktizierenden, Essen, Unterkunft, Reisemöglichkeiten und so weiter sind immer da, ohne sich darum sorgen zu müssen, aber keine Immobilien, Säcke mit Gold und so weiter.
Tibetisches System:
Alles Geld den Klöstern und deren Äbten ist die Devise. Die strengen Regeln im indischen nicht-tantrischen Buddhismus, nach denen Mönche Geld nicht einmal angreifen dürfen, geschweige denn Immobilien, Gold und so weiter besitzen dürfen, wurden in Tibet von allem Anfang an geändert. Tibetische Mönche arbeiten nichts (sehr im Gegensatz zum Beispiel zum Zen-Buddhismus), aber verstehen es hervorragend, Geld zu machen. Geld an Mönche zu spenden galt und gilt heute noch als hervorragendes Mittel, "gutes Karma" bzw. "spirituellen Verdienst" zu sammeln, dementsprechend entwickelte sich eine Art Ablasshandel:
Was immer es für ein Problem gibt, meistens ein vollständig eingebildetes, zum Beispiel eine tote Tante, die eventuell in die Hölle gekommen ist, schon werden die Mönche beauftragt, ein paar Tage etwas zu rezitieren, natürlich kostenpflichtig, und natürlich liegen diese Kosten deutlich über dem, was Buttertee und Klosterküche tatsächlich kosten. Seit 1970 läuft dieses System nur noch mit westlichem Geld und Geld reicher chinesischer Geschäftsleute in Singapur, Taiwan, Malaysia etc., und es läuft noch viel, viel besser als jemals zuvor. Überall in Indien und Nepal, wo es noch viel billiger ist zu bauen, entstehen riesige Klöster, bis an den Rand gefüllt mit unheimlichem Protz und Pomp, umgeben von Stacheldraht, bewacht von scharfen Hunden - in Nepal, einem der ärmsten Länder der Welt, muss man schließlich die Einheimischen auf Distanz halten. In den Klöstern ausschließlich Tibeter, der Kontakt zu den Einheimischen beschränkt sich darauf, dass manche von Ihnen niedere Arbeiten im Kloster ausführen. Jeder Lama wirbt auf seiner Webseite um Spenden, oft für große Projekte ohne jegliche Kostenrechnung und Kontrolle, besonders gut macht sich Fundraising für angebliche Schulen, in Wirklichkeit stets Klöster.
Jeder höhere tibetische Lama, oft ein jugendlicher Tulku, hat mehrere Residenzen, in jeder hat er ein Bett, dass nur er benutzen darf, Geschirr mit Goldrand, dass nur er benutzen darf, ein Klo, dass nur er benutzen darf, wie gesagt alles in 5 bis 20-facher Ausgabe weltweit verstreut, wie bei uns in Europa der heilige deutsch-römische Kaiser, dem man immer ein Prachtzimmer gebaut hat, wenn er in irgendeinem Ort Halt gemacht hat, oft nur ein einziges Mal benutzt. Was das alles mit Buddhismus zu tun hat? Ganz einfach: gar nichts. Es handelt sich um ein völlig außer Kontrolle geratenes System der Lüge und Menschenverachtung, intransparent und korrupt, nur noch den eigenen Machterhalt anstrebend, wir sollten das in Europa von der katholischen Kirche kennen. Auch die Ngakpas machen es nicht anders als die Mönche, bei diesen ist es oft wesentlich, alle Familienmitglieder, insbesondere natürlich die Söhne, mit einträglichen Dharma-Pfründen zu versorgen. Auf diese Weise gibt es mittlerweile etliche Inhaber eines Dharma-Thrones, die dort nicht gelandet sind, weil
sie qualifiziert sind (von Verwirklichung reden wir gar nicht mehr), sondern weil sie der Sohn von einem Lama sind.
Mein Stil:
Ich habe alles was ich brauche. Ich hätte gern mehr, nicht für unnötigen Luxus, sondern für die Erhaltung der Lehren des buddhistischen Tantra,
aber ich kann leider keine Karmaverbesserung dafür anbieten, nur das Gefühl, etwas sinnvolles zu tun.
Meine Leistungen sind im Vergleich äußerst kostengünstig, in Anbetracht dessen, dass ich eine langfristige persönliche Betreuung biete.

Guru Dragpo, in einer geheimen Erscheinungsform, Quelle
himalayanart
Ausbildung und Tulku-System:
Mahasiddha:
Es gab keinerlei "Dharma-Ausbildung" oder eine "Lehr-Autorisation" mit irgendwelchen Titeln. Jede einzelne Schülerin bekam von Anfang an persönliche Instruktionen, die genau auf die Bedürfnisse diese Schülerin zugeschnitten waren. Wer es nicht glaubt, studiere einmal die Biografien der 84 Mahasiddhas oder anderer früher Meister. Keine endlosen Rezitationen, keine endlosen Retreats, Endresultate - das Erlangen der höheren Siddhis - in manchen Fällen NACH ZWEI WOCHEN, keine "Vorbereitenden Übungen" wie die berühmten hunderttausend Niederwerfungen. Nichts von all dem, was heute als Pflichtprogramm gilt, und vor allem keine zwei gleichen Programme.
Völlig unbekannt: Das Tulku-System, die Idee, den Nachfolger eines Meisters zu suchen, indem man dessen angebliche Wiederverkörperung sucht. Genau genommen, überhaupt keine Suche nach dem "Nachfolger" eines Meisters, wozu auch? Ein wirklicher Meister braucht und hat keinen "Nachfolger", Meisterschaft ist kein Amt, welches von einem zu nächsten Amtsinhaber weiter gegeben werden kann.
Kein Meister beruft sich auf frühere Inkarnationen oder wird entsprechend beworben.
Tibetisches System:
Den Tibetern ist es vorbehalten, das Tulku-System zu erfinden, in Wirklichkeit den Tod des tantrischen Buddhismus als Methode zur Befreiung.
Es ist ein ursprünglich rein mönchisches System, später aber auch von den Ngakpas nachgeahmt. (Die Ngakpas hatten immer ein Problem, als richtige Praktizierende zu gelten, weil die Mönche viel größeren Einfluss auf die tibetische Gesellschaft hatten).
Stirbt der Abt eines Klosters, ein Amt, welches mit enormer Machtfülle verbunden war (wie riesigen Grundbesitz samt darauf lebenden, quasi leibeigenen Untertanen), wird sein Nachfolger nicht unter den Söhnen bestimmt, die er als Mönch nicht hat, sondern man sucht seine "Inkarnation", tibetisch Tulku. So nebenbei wird die wesentlichste aller buddhistischen Lehren überhaupt, nämlich dass es ein kein Ich gibt (es sich daher auch nicht re-inkarnieren kann), entsorgt und gerät ganz in Vergessenheit.
Siehe dazu meinen Artikel:
Gibt es erleuchtete Kinder?
Bei den Ngakpas findet das Verfahren noch eine seltsamere Wendung: Die angeblichen Tulkus (natürlich 99% Männer) inkarnieren immer in den gleichen Familien, wahrscheinlich der ideale Inkarnationsort - findet man doch ergiebige Pfründe vor und kann diese auf gleiche Weise in der Familie halten.
Eine individuelle Ausbildung ist unbekannt, nicht einmal die "hohen Tulkus" erhalten eine solche: Alle müssen die gleichen Übungen durchlaufen, sind diese absolviert, erhält man einen von einem Dutzend pseudo-akademischen Titeln und gilt als Lama. Das Absolvieren der Übungen besteht fast ausschließlich aus dem Zählen von Wiederholungen, seien es Niederwerfungen, Mantras, tibetischer Textpassagen und anderem mehr. Ob wirklich die Siddhis erlangt wurden, um die es einmal gegangen ist, interessiert keinen Prüfer, es wird außerdem überhaupt nichts geprüft außer auswendig gelerntes Wissen.
Die höheren Stufen der Ausbildung sind nur wenig bekannt, viele tibetischen Lamas geben zum Beispiel nie Lehren aus der Anuttara-Tantra-Klasse weiter, nicht weil sie es nicht dürfen, sondern weil sie nicht dazu in der Lage sind. Im Westen macht das gar nichts, da kann man gut davon leben, nur Einweihungen in die äußeren Tantras zu geben, wer die höheren Tantras hören will, dem wird erzählt, dafür ein Drei-Jahres-Retreat machen zu müssen.
In den Texten dieser höheren Tantras selbst ist davon natürlich keine Rede, aber das wissen die Westler meistens nicht.
Mein Stil:
Ich bilde aus, völlig individuell von Anfang an (häufig beginnt die Ausbildung mit einer Einweihung unter vier Augen), von den Anfängen des Sutra-Buddhismus beginnend (im tibetischen System meistens durch endloses Debattieren statt durch Meditieren erledigt) über die äußeren Tantras bis zu den inneren Tantras, gipfelnd in Mahamudra und Dzogchen. Das ist die vertikale Komponente: Vom Anfang bis zum Ende. Horizontal gibt es auf jeder Stufe eine große Auswahl an Möglichkeiten, viele Sutras, viele äußere Tantras, viele Zyklen von Guru, Deva und Dakini (auf der Ebene der inneren Tantras), insgesamt von der Breite und der Tiefe her sicherlich mit dem Zufluchtsbaum einer ganzen tibetischen Tradition vergleichbar. All das ohne Dreijahresretreat, erotische Beziehungen und beruflicher Erfolg sind von Anfang an integriert und bleiben es bis zum Ende des Pfades.

Zu den Unterschieden zwischen dem buddhistischen Tantra der Mahasiddhas, dem tibetischen System und meiner eigenen Herangehensweise wäre noch viel zu sagen, eine längere Publikation dazu ist in Vorbereitung.
Hier gebe ich kurze Einführung in die Methoden der Mahasiddhas:
Die Mahasiddhas - jenseits der Konvention
Ich will mit meinen Darlegungen niemanden beleidigen, der dem tibetischen System (noch) anhängt. Ich war selbst von 1982 bis 2008 ein Teil dieses Systems, von 1995 - 2008 als Organisator tibetischer Lamas, aber auch als Lehrer und Retreatleiter. Ich weiß, wie schwer es ist, sich eingestehen zu müssen, dass man zwar seit zehn Jahren oder mehr praktiziert, aber kein relevantes Ergebnis erzielt hat (und ein relevantes Ergebnis ist bitte deutlich mehr, als sich besser zu fühlen als vor dem Beginn der Praxis. Vajrayana ist keine Wohlfühl-Strategie, sondern ein Weg zu den höchsten überhaupt erzielbaren Bewusstseinszuständen). Noch schwerer ist es, die negativen Seiten des eigenen Lama zu sehen, den man womöglich lange Jahre täglich über sich visualisiert hat, sehr viele Übende umgehen das, indem sie all diese hier beschriebenen Fehler zwar bei vielen anderen Lamas sehen, aber nicht beim eigenen, der ist immer eine Ausnahme.
Es gibt tatsächlich sehr wenige Lamas, die Ausnahmen darstellen, und die dem tibetischen System selbst kritisch gegenüber stehen, die meisten spielen in irgendeiner Weise mit, wobei es natürlich viele Abstufungen der negativen und positiven Qualitäten gibt.
Ich habe bei den Übenden, die zu mir kommen, nicht das geringste Problem damit, dass diese auch Übungen machen, die sie von Vertretern des tibetischen Systems haben, diese ganze Idee, "Nur-ein-Meister-ist-mein-Meister" ist mir zutiefst suspekt. ALLE alten Meister hatten ihrerseits mehrere Meister, und NIE hat von diesen irgendeiner verlangt, die Lehren anderer Meister aufzugeben - heutzutage in vielen Gruppen der Standard, meint man doch den "einzig authentischen Dharma" zu besitzen.
Viele glauben, ihre eigenen Probleme lösen zu können und dauerhaftes Glück zu erlangen, indem sie einen bestimmten Lama als DEN WEG zur Problemlösung und zum Glück betrachten. Diese erwecken in Wirklichkeit eine Art Dämon und nicht den Erleuchtungsgeist.
Eingänge
Erotisches Tantra?
Hexe, Magier?
Tibetischer Buddhismus?
Wissenschaft?